enger stufiger Weg

Die Gasse, durch die eigentlich keiner gehen will

Wieso sollte man den Engpass wählen, wenn man den blumen- und kunstgeschmückten Boulevard mit seinen dekorativen Darbietungen haben kann? Hier schlendert man entlang, begleitet von den Gerüchen der Boulangeries, Confiseries, Parfumeries, durchs Schaufenster greift ein anziehend lächelndes Modell nach der Kundin, die behände zur Tür einläuft zum Sale.

Die Meinungsumfragen zeichnen ein anderes Bild als das Lehrbuch einem sagt, die Menschen wollen Freiheit, Freizügigkeit, Wohlstand, Sozialgelder, Rentenerhöhungen, grenzenlose Darbietungen, Frauenrechte, Kinderrechte, Tierrechte – er nickt, wägt ab und entscheidet.

Im Dekanat überlegt man, welchen Weg man gehen soll, man will die alten – ewig gestrigen – Kirchenmitglieder nicht verprellen, aber die heutige Zeit verlangt Änderungen, Neuerungen, Anpassungen damit man als Kirche nicht so alt und verstaubt daherkommt, deshalb die Wortänderungen von der Sünde zur Verfehlung, zum Ausrutscher, zur Scham. Von der falschen Entscheidung, für die man Verantwortung trägt, zum Alkoholkranken, Essgestörten, Suchtkranken, psychisch Kranken, letztendlich Schuldunfähigen??!!

Die schicken Menschen mögen das nicht so gerne hören, mit der Sünde und dem Abgetrenntsein vom Reich Gottes, es geht ihnen doch gut!!!

Sie genießen den Segen Gottes, strecken ihre Füße in sein Meerwasser, rennen die Sanddünen rauf und runter, welch ein Erlebnis! Erkunden den Urwald und die Berge, die Angstfreien tauchen in Höhlen, willst du ihnen sagen, dass Gott Dinge eng sieht mit der Ehe und der Scheidung und dass in seinen Augen eine Ehe, die nicht aus Mann und Frau besteht, keine ist? Willst du ihnen den Tag verderben mit Moral und Wahrheit, mit dem schmalen Weg, der ins Verderben führt – welches Verderben, in wessen Sonntagspredigt vor unbesetzten Bänken taucht so etwas auf?

Siehst du, deswegen ändern wir das Evangelium dahingehend, dass auch Homosexuelle herzlich willkommen sind, wohlgemerkt praktizierend Homosexuelle, und nicht solche, die gegen ihre Lust jeden Tag kämpfen. Wie sollen wir damit umgehen, dass jede zweite Ehe auseinandergeht und die vielen unverheiratet Zusammenlebenden Auseinandergehenden schon in gar keiner Statistik auftauchen? Unsere eigenen Pfarrer…..hier schluckte er schon nicht mehr, sondern sprach schnell darüber hinweg….leben in wechselnden Partnerschaften – diese Begrifflichkeit wechselte häufig, Lebensabschnittsgefährte, Lebensgefährtin, worin doch seltsamerweise das Wort Lebensgefahr mit drin ist.

Wie kann Jesus vor Ehescheidung und Ehebruch nur warnen, wenn alle Welt unter dem falschen Regenbogen einkauft, zigtausende teils bekleidet aufmarschieren, um laut die per Geburt zugewiesenen zwei Geschlechter in Frage zu stellen und alles hart der eigenen Beliebigkeit zu unterwerfen.

Hart, weil ihre Leehre als Dogma an Unmündige herangetragen wird, die es zusammen mit dem Haferbrei als schulischen Unterricht in die Kinderseele eingetrichtert bekommen, wo die falsche Lehre stolz (pride) verkündigt wird.

Ihre Straßen sind hart beflaggt, ähnlich den 5-farbigen Wimpel-Gebetsfahnen-Straßen zur Mildstimmung der übellaunigen nepalesischen Regengottheiten. Die Gesichter vogelschnabelig entschlossen.

Sie stapfen den Boulevard entlang, feiern, tanzen, stampfen. Auf der Hauptverkehrsader zieht sich der Demos-Menschenumzug entlang. Ab und zu zieht es einen Teilnehmer durch einen am Weg seienden Gulli ein. Die Stimmung ist fröhlich, ausgelassen bis in die Nacht hinein. Sie feiern bereits die zweite Stufe der moralischen Entfernung vom Dogma, dem Lehrbuch. Den Worten der Wahrheit.

Den nüchternen klaren Worten. Die so teils emotionslos daherkommen. So wenig Mitgefühl bieten für Straftäter und Sünder und Verfehlende, für Menschen, die auch verzweifelt über sich selbst weinen, weil sie sonst nichts anderes wissen. Deswegen die Tränen.

Selbstmitleid, Tränen, viel Emotion

Dadurch wurden die kirchlichen Häretiker angerührt, sie hatten schon jede Wendung der Lehre mitgemacht, es kam längst nicht mehr darauf an. Wie sollte man hier harte Worte verwenden, “wer ohne Sünde ist, werfe direkt den ersten Stein” auf Menschen, die alles anders sehen als der Gott der Bibel.

Gott sei humorlos und würde ihnen nichts gönnen, sie tanzten heftig weiter, sprangen hoch, die Flaggen schlugen sanft ins geschminkte Gesicht.

nepalesische Gebetsfahnen

Jeder wie er will, unterstützte die Politik und die Kirche, sie saßen im Lokal beim achtsam gesegelten Tröpfelkaffee, vom lächelnd Nickenden angerichtet auf den Tisch serviert. Nach ihnen wischte er sorgfältig ab, sie hinterließen keine Spuren.

Ein Beauftragter schrieb das Manifest und veröffentlichte es beim tanzend stampfenden Hintergrundgeräusch. Hier kam auch wieder Clownin Olivia wie aus dem Nichts auf die Szene, wie auch bei den großen Wahlen der bürgerlich Wählenden, denn sie gingen wählen.

Sie hatten die Wahl und Wahlmöglichkeiten, aus denen sie auswählten

Sie trafen Entscheidungen und hatten verschiedene Entscheidungsmöglichkeiten, sich zu entscheiden. Sie hatten Wissen und Möglichkeiten zu wissen und produzierten doch wider ihr Wissen Fälschungen, die Meinungsumfragen zeichneten ihnen ein anderes Bild als das Lehrbuch sagt. Sie subsummierten es unter “Wissenschaft”, denn sie hatten schon jede Wendung der Lehre mitgemacht, es kam längst nicht mehr darauf an.

Der Boulevard dampfte. Nach den erhitzt darüber gestampft Hinweggehenden manifestierte sich gleich einer Mikrowetterlage Gewölk über dem Boden der Straße und ein Nieselregen setzte unten ein. Eine eigene Athmosphäre hatte sich hier unten gebildet, eigenes Leben mit Mikroathmospähre mit aufsteigender und absteigender Bewegung, das Licht von außen, Dunkelheit von unten, Feinstaub, Niederschlag und wiederum Tröpfchenbildung. In einem kleinstmöglichen Zeitfenster gab es neue Arten und Unterarten. War hier Evolution? Das in der Nachschau der darüber Hinweggelaufenen.

Zwei Straßen weiter hießen die Alleen “Gassen”, eine davon “enge Gasse”. Sie war unansehnlich, es waren kaum Menschen darauf unterwegs, kein Prachtbrunnen mit bronzierten Löwengeiern und der Schminke im Brunnenwasser, kein Kajal, kein stacksendes Trommeln der Schuhe, kein Kundenstopper, kein Tempel, kein Hormonstau über dem entfremdeten Fundament. Keine unnatürlich aufgepeitscht herausschreienden Schleimwerfer. Hier konnte man – immerhin davon unbehelligt – gehen, obschon Lärm zu hören war und die Vibration an den Fußsohlen.

Die Gasse war eng, dennoch passten genügend Leute durch, die hinter Jesus gingen und seinen elf Jüngern plus den einen.

Jesus war in der Enggasse unterwegs und er lief vorne. Scheinbar wollte er nicht den Urbi et Orbi auf dem großen Platz verteilen, das ist der Platz mit den langhalsigen Schwänen und den Blumenbouquets, sondern er sprach von “eng ist der Weg, der zum Leben führt, die meisten finden den ‘Weg einfach nicht und verdammt breit ist der andere Weg auf dem die Mehrheitsmeiner unterwegs sind”.

Diese segneten derweil die Meute, die sich niedergelassen hatte mit anheimelnden Worten. Sie wünschten Glück sowohl von engagierter als von politischer, auch von kirchlicher Seite, es herrschte hierin ein großes Einverständnis, sie versicherten sich selbst, bevor sie hingingen.

Jesus beschrieb die Enggasse, die Gefahren der Sünde, der beruflichen und der privaten Heuchelei. Er verwarnte gar die Lehrer, die korrekt lehrten aber selbst innerlich Abstand davon genommen hatten, von der Ehrfurcht vor Gott.

Die Lehre von einem Gott, der alles sieht

Sie wussten, dass sie der Lehre nicht genügten, deshalb verließen sie deren Worte, denn die Meinungsumfragen zeichneten ein anderes Bild und sie hatten schon jede Wendung der Lehre mitgemacht, es kam längst nicht mehr darauf an.

Jesus war unbestechlich. Er war jederzeit bereit, sein Leben für seinen Gott zu opfern, für sündige Menschen, die jederzeit in jede denkbare Richtung losstapften, die Fahne hissten und sich neue Anführer wählten. Josua und Kaleb konnten ein Lied davon singen.

Damit doch eine Vergebung, eine Sühnung da ist, falls sie es sich anders überlegen, wenn sie dann doch merken, dass der Boden auf dem sie stehen unfruchtbar ist, die inhalierte Luft einem keinen Atem gibt, die Atmosphäre nicht heilt, der Nächste (auch nur) ein Verirrter ist und einem Dämonen statt Engelwesen am Straßenrand erscheinen. Wenn sie den Gang beschwerlich finden, weil die Schwerkraft an ihnen zerrt und zieht und das Vorwärtskommen fraglich, direkt nervenzerreibend und letztlich alles vakant ist??!!

Deswegen: zwei Straßen weiter.

Ein Vernünftiger. Ein Liebender. Einer, der liebt. Jesus, er ist der Christus.

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