Wenn vom Leben eines Menschen nichts überbleibt als eine Ansammlung a) guter, b) neutraler und c) schlechter Taten. Wobei ich die neutralen und schlechten Lebensleistungen diesmal einfach ausblende, mir geht es um die guten Taten.
“Jeden Tag eine gute Tat” ist ein Motto der Pfadfinder, versuche jeden Tag die Welt ein bisschen besser zu verlassen, als du sie vorgefunden hast.
“Ein Pfadfinder ist aktiv darin, Gutes zu tun, nicht passiv, gut zu sein.” Lord Robert Baden-Powell
Kürzlich erwägte ich – halb ernst gemeint – die Anschaffung eines handgeschriebenen Gute-Taten-Heftes, in dem ich alle meine durchgezogenen guten Taten niederschreibe, da ich den stillen Verdacht hege, dass bei mir ohne die Motivation solch einer Nachweiskladde vielleicht versehentlich keine bis fast keine guten Taten stattfinden?
Immerhin bestand Paulus, der Apostel Jesu Christi, darauf, dass der Mensch gute Taten tun solle. Der früh verstorbenen Tabitha wurden ihre weitergereichten Kleider als gute Tat angerechnet, woraufhin Petrus sie gar von den Toten auferweckte. Würde sie nun wohl weitere 40 Jahre Kleider und Röcke schneidern?
Es geht mir hier um die Wertschätzung, Einordnung und Beobachtung (sogenannter) guter Taten und deren Fähigkeit zum Verfall, so dass eine gute Tat sozusagen umkippt und gar keine gute Tat mehr ist, vielmehr nur gut gemeint ist.
Aber ins Negative kippt.
Oder gut aussieht, aber nur der Eitelkeit des Wohltäters dient, der sich mit dem Spendenscheck in der Zeitung ablichten lässt und nun als honoriger Geber dasteht. Vielleicht sind seine Motive trotzdem durch und durch lauter?

Er wollte der Kitagruppe einfach die Vogelnestschaukel spendieren, damit die Kinder Freude haben.
Oder er wollte mittels der Kita-Vogelnestschaukelspende über 5.000.-Euro inclusive Montage einen pressewirksamen Auftritt bekommen, um für die nächsten Bürgermeisterwahlen oder seinen persönlichen Bauentscheid gut dazustehen.
Warum hat er überhaupt die Spende nicht anonym geleistet?
Wie aus der Pistole geschossen kommt das Argument der Absetzbarkeit von der Steuer, so dass nocheinmal 30% der 5.000.- Euro Spende = 1.500.-Euro verspendet werden können.
Diesmal für einen Hilfstransport in die Ukraine mit Lebensmitteln, Matratzen, ja sogar alten Öfen zur Winterheizung,
denn es berührt sein Herz, es tut ihm leid, dass viele Menschen dort an den lebensnotwendigsten Dingen Mangel haben wie Wärme, Nahrung, ein Zuhause. Deswegen finanziert er die Sachen. Siehst du hier das gute Motiv?
Wie das Mitleid ihn bewegt?
Unweit Weihnachten erinnert dich jede Hilfsorganisation daran, dass du dein Geld nicht nur für deine fünf Angehörigen ausgeben sollst, sondern auch an ihre Klientel denkst, die sie vertreten. Du spendest 20.-Euro.
Im Krankenhaus erzählte er – beichtete? er – mir, dass er jährlich 20.-Euro – soweit ich weiß – an das rote Kreuz spendet. Gesichert jedes Jahr. Pensionierter Oberstudienrat, Beamter, Lehrer. Geschätzte Pension 3000.-Euro, also 36.000.-Euro pro Jahr, davon 20.-Euro, also ca 0,0555% seines Einkommens. Er konnte sehr bestimmt sagen, dass er regelmäßig diese Spende durchführt, vor Weihnachten 20.-Euro.
Die gute Tat.

Angenommen er gäbe 2000.-Euro, wäre es mehr “gute Tat”?
Wenn ja, warum, wenn nein, warum nicht?
So kam ich auf den Gedanken, dass wenn die Wurzel schlecht ist, auch der ganze Baum schlecht ist.
Was, wenn selbst die gute Tat verdorben ist und nicht ankommt? Keinen Nutzen bringt? Vielmehr schief herauskommt, gut gemeint, aber schlecht gemacht. Den Kindern in der Kita sexuell anzügliches Material gegeben und sie einer gesunden Kindheit beraubt.
Sie mit elektronischem Spielzeug vollgedonnert werden, anstatt Zeit oder Nähe zu bieten.
Nie mal “nein” gesagt und dadurch mehr geschadet als immer “ja mein Kind” vermuten lässt..
Alles erlaubt, durchgehen lassen und damit den Weg ins Glitschige ausgelegt?
Bürgergeld bezahlt auch an solche Leute, die keiner Arbeit nachgehen wollen, obwohl sie es könnten, wenn sie denn wollten.
Was, wenn “Gutes tun” kippt und zur Selbstbestätigung wird, so dass ich notwendig davon abhänge, wie viele missionarische Gespärche ich geführt habe, um Menschen darauf hinzuweisen, dass es einen ewigen Gott gibt und ein Leben vor und nach dem Tod?

Was, wenn ich zähle, wie viele Wunder und Gebetserhörungen ich erlebt habe, davon erzähle mit dem kleinen Nebeneffekt, dass immer ich – nie er, Gott, Jesus – hoch erhoben wird. Deswegen ist es auch so wichtig, dass ich darin vorkomme?
Was, wenn die Zahl der “Bekehrten” nichts wert ist, weil sich jedesmal Leute bekehren, die nicht eindeutig eine Entscheidung getroffen haben, die ein neues anderes Leben vermuten lässt, das den Begriff Umkehr verdient? Jedoch: Hundert Leute haben sich “für Jesus entschieden” in der Veranstaltung, die stattfand – glaube mir, ich freue mich wirklich, wenn diese Entscheidungen echt sind. Sind diese Zahlen unser – dein – Ruhm, unsere guten Taten, unsere Rechtfertigung. Unser Segen?
Kann ich mir den Segen mal anschauen?
Und ich freue mich wirklich, wenn Menschen auch noch nach Jahren – bitteschön – Christen, Christinnen geblieben sind und bei Gott bleiben!!!
Der Segen der guten Tat: Wenn Obdachlose versorgt werden, jedoch, was ist mit ihrer – offensichtlichen – Drogensucht? Wären sie nicht besser aufgehoben im Knast – bei leider- kaltem – Entzug?
Der Segen des Wohlstands: Ich glaube ja nicht, dass eine Gesellschaft verarmen muss, um dann automatisch Gottsuchend zu werden, – es könnte auch durchaus gegenteilig ablaufen, und es gibt wohl genügend Beispiele, dass Menschen bei ihrer Verarmung noch Gott beschimpfen – aber sicherlich kann die Fettleibigkeit und das schwellende Bankkonto eines Menschen zu einem Gefühl des Abgefedertseins führen. Der Mensch denkt so sehr ans Diesseits, dass ihn der Todeszeitpunkt trotz vorher erfolgter Heilung – damals, sie erinnern sich? – einfach zu unerwartet trifft.
Wofür haben Sie die Schätze angesammelt?
Oder zurück ins du – für wen machst du das, was du machst?
Bringst du jemandem die Kuchen, weil er für dich anderswie nützlich ist? Oder ist es einfach die Angst, nicht mehr wohlgelitten, angesehen zu sein?
Eine Hand wäscht die andere. Er hat bei unserer Beerdigung geholfen, deswegen sind wir auch bei seiner da.
Pragmatisch denken: Er mauert meine Hauswand, ich helfe bei seinem Umzug!
Dann sagt Jesus, man solle zur Jubiläumsfeier solche Leute einladen, die sich niemals revanchieren werden. Wer macht denn so etwas? Kennst du solch eine Feierlichkeit?
Bei dir zu Hause?
Oder in einem anonym gemieteten Saal? (Warum) niemals bei dir zu Hause?
Warum wurde die Frömmigkeit ausgegliedert, ausgelagert in eine Kirche, in einen Saal, abgegeben an den Pastor, er bekommt ja sein Geld dafür.
Der Pastor- die arme Seele – soll gießen, pflanzen, säen, düngen, die Gemeinde umhegen, das christliche Gedankengut (an Zugeschweißte) vermitteln, ich gebe ja meine Spenden, meine Almosen in die Moschee —äh sorry, in die Gemeinde, äh ins Hilfswerk, zu Bethel, den Kleidersack, den ich an der Tür abgestellt habe.
Den Altkleidersack.
Den Sack mit den alten Schuhen.
Die Frau eines Verstorbenen, die echt kein Geld hatte, gab den letzten Nickel in den Opferkasten der Synagoge und wurde dabei vom Sohn Gottes ! beobachtet, der sich das Geldeinlegen anschaute. Er lobte sie und nur sie.
Als Großspenderin. Sie.
Die arme Frau gab aus nicht nachvollziehbaren Gründen – wahrscheinlich dachte sie, mit dem Geld kann sie sowieso kein Brot mehr kaufen, auch den – quasi – nicht vorhandenen Rest noch ab.
Dann wäre da noch die Tat der Frau, die ihr Luxus Nardenöl vergoss und Jesus bescheinigte ihr den Spendeneingang. Auch hier gabs Meinungsverschiedenheiten.

Als ehemaliger Mitarbeiter von christlichen Hilfswerken habe ich Kleiderspenden, Schuhspenden, Sachspenden gesehen von “super, alle Achtung” bis hin zu “peinlich” es war alles dabei. – Wohin damit – auf Missionskosten entsorgen?
Was, wenn gute Taten peinlich sind, wenn unsere besten Werke nur betretenes Schweigen auslösen im hellen Licht dessen, der sein Leben hergab? Der sein Leben gab, um Gottes Willen zu tun, sündigende Menschen zu befreien, wenn sie denn glauben wollen!?
Willst du?
Was, wenn jede gute Tat eines nicht an Gott glaubenden Menschen vergeblich ist? Doch nur ein Tröster des Gewissens?
Denn das Gewissen erinnert immer wieder, dass da jemand noch ärmer, noch bedürftiger ist, dass man eigentlich dem Unrecht in diesem besonderen Fall nicht länger zuschauen dürfte, sondern einmal, diesmal
seine Stimme laut erheben müsste, um für diese Person einzutreten, auch mit dem Risiko des Ansehensverlustes, dass man sich einfach breitmachen müsste und dem anderen zu seinem Recht verhelfen müsste, ohne den Gegner deswegen gleich komplett kaputt zu machen. Aber einzutreten für das Gute!? Den Guten?
Wissen Sie, wie viele Menschen sterben, weil sie sich in fremde Streits einmischen, weil sie Streits schlichten wollen, Gutes tun, Frieden stiften?
Wissen Sie, wie schnell der Friedensstifter verlacht und verhöhnt wird, er habe seine Karten zu früh offen gelegt und wie stünde er jetzt da, wenn sich zwei Kriegsparteien immer weiter bombardieren. Wie steht der Friedenhabenwoller denn jetzt da?
Wie ein weltfremder Irrender.
Aber er hat es doch versucht?
Bist du bei mir, wenn ich sage, dass die gute Tat selbstverständlich von der Hand gehen sollte und man sie auch gleich vergessen sollte – oder keinesfalls?
Tue Gutes und rede darüber, wo doch die Hilfswerke, auch die christlichen Werke, ihren Spendern erklären müssen, was sie mit dem gespendeten Geld unternehmen, und dass sie es ja auch für den Spendenzweck einsetzen wollen, über die Finanzierung des dafür hierzulande Angestellten hinausgehend. Schluckschwer.
Wie viele Euro finanzieren ein deutsches Gehalt, gespendet für Afrika. Und er arbeitet ja auch nur für Afrika. Sitzt aber hierzulande am Schreibtisch und fliegt vier mal im Jahr nach Simbabwe. Er kostet monatlich 4500.-Euro und ist Teil deiner 50.-Euro Spende für Afrika. Hast du mal sinniert, wieviel Geld es kostet diese 50.-Euro nach Afrika zu bringen, zu überweisen, die Buchhaltung hierzulande durchzuführen, den Nachweis, dass das Geld für den deutschen Schreibtischtäter, der zweckgebunden für das Projekt arbeitet, ausgegeben wird und für die Ernährung des Kindes in Mosambik?
Bitteschön, ich bin NICHT gegen Spenden für Hilfsorganisationen, ganz im Gegenteil bin ich ihr Freund und ich meine, wenn jemand nicht den Armen spendet, ist er selbst schuld, dümmer geht es nimmer. Er verspeist alles, was er hat nur selbst. Wie kann er nur für sich selbst leben??
Natürlich empfehle ich jeder Hilfsorganisation, sich selbst durchzuforsten bezüglich des eigenen Bürokratiemonsters, das sich vergrößert, aufplustert und frisst.
Auch für Kirchen: Sammelt euch keine Schätze hier. Unterlasse es einfach.
Aber ich will dir auch nicht deine Rente stehlen und dein Erbe und deinen Wohlstand – an dem du so sehr hängst.
Wie sehr hängen wir dran?
Wie kommen wir davon los?
Wer hilft uns dabei?
Wo lauert die gute Tat?
Wann?
Schreibe einen Kommentar