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2021

Wozu ein Grab bewachen?

Es war eines der hoffnungslosesten Unterfangen aber sie waren nun dafür abgestellt, das Grab eines soeben verstorbenen Hingerichteten zu bewachen, nach orientalischer Art mit einer runden Steinplatte verschlossen. Es ging darum, dass die Anhänger den verstorbenen Jesus aus dem Grab befreien könnten und nachher behaupten würden, er wäre von den Toten auferstanden, wie er ja bereits zu seinen Lebzeiten angekündigt hatte.
Deswegen dieser Dienst: Tag und Nacht einen Stein bewachen mit mehreren Kollegen in Schichten. Nun hat man als Soldat so einiges gesehen und erlebt, wie Menschen geopfert und wegen geringen Vergehen dem Tod preisgegeben werden. Sterben ist sozusagen das tägliche Geschäft eines Soldaten. So gesehen ist es ein vergleichsweise ruhiger Job, ein Grab zu bewachen. Am Grab zu stehen, am Grab auf und ab zu gehen und Ausschau zu halten ob sich vielleicht irgend ein Unbefugter nähert. Es gibt schlimmere Jobs und dennoch mutet es ein wenig seltsam an, ein Grab zu bewachen, bitteschön, man bewacht hoch stehende Persönlichkeiten, pikante Gäste, die das Land unbehelligt durchreisen können sollen, dass sie nicht von irgendeinem Gesocks überfallen werden – einen Grabstein bewachen, na gut, wenn’s weiter nichts ist…