Mann hält sich beide Hände vors Gesicht. Man sieht nur die Umrisse des Gesichts. Schwarz-weiss-Bild.

Die Ausgestoßenen

Also nicht diejenigen, die einfach weniger Begabungen ins Leben mitbekommen haben als andere, aber mit dem Wenigen doch recht ansehnlich hantieren, sondern diejenigen, die seit Geburt mit ihrer geschenkten oder später erworbenen Beschwerde andere Menschen regelrecht abstoßen.

Nehmen wir als Beispiel, jemand mit einem stark verbrannten Gesicht, der bei jedem zufälligen Augenkontakt erlebt, wie sich Menschen erschreckt abwenden. Oder Menschen mit geringer Intelligenz, die den komplizierten Gedanken nicht folgen können, weil es für sie eher um fröhlich sein oder unglücklich sein geht. Es gibt nicht nur die Menschen, die nicht das volle Programm an Begabungen mitschleifen, stattdessen mit einem etwas kleineren Kontingent an Fähigkeiten durchs Leben gehen, sondern auch die, von denen jedermann Abstand nimmt.

Du erschrickst, wenn du sie siehst und sie sind es gewohnt, dass du erschrickst wenn du sie siehst und werden dennoch genau dadurch verletzt und du kannst nichts dafür und sie können auch nichts dafür.

Rede ich hier von sehr seltenen Fällen? Von Menschen, die man kaum wahrnimmt, weil es sie sowieso nicht oft gibt in der Öffentlichkeit, weil sie sich zurückgezogen haben?

Ja, sicher.

Manche sind zur Coronazeit regelrecht aufgeblüht, weil der Mindestabstand von ein Meter fünfzig plus Maske für sie aus ganz anderen Gründen ungeahnte Freiheit bedeutete, weil ihnen plötzlich keiner mehr zu nahe kam und die Maske bereits das halbe Gesicht verdeckte. So sahen dann doch wieder alle gleich aus – der Professor wie der Analphabet, der Einäugige wie die Schönheit, der Zahnlose wie Mr Smile, der Obdachlose wie ein Villenbesitzer, jedenfalls bei oberflächlicher Betrachtung.

Ob sie unter ihren Defiziten leiden? – Selbstverständlich, es macht ihnen beinahe täglich zu schaffen, sie haben ihre ganz eigene Überlebensstrategie entwickelt. Manche werden mit schweren Handicaps geboren, manche erleiden sie im Lauf ihres Lebens. Theologe Paulus bekam quasi medikamentös einen Engel Satans zugeteilt, der ihn mit Fäusten schlagen sollte, damit er nicht hochnäsig würde, aber sonst war Paulus durchaus hochbegabt.

Aber das ist nicht jeder.

Einige liegen nicht aus Faulheit auf der Couch, sondern weil es für sie keine andere Option gibt.

Hannelohre Kohl wurde eines Tages aufgrund einer Medikamentenunverträglichkeit lichtallergisch mitsamt Schmerzen. Sie war die Ehefrau des Ex-Bundeskanzlers, die ehemalige First Lady!, die irgendwann lieber nachts lebte, da ihr das Tageslicht schwerste Zumutungen verursachte. Tagsüber dunkelte sie ihr Haus ab.

Lebendig begraben aber doch am Leben.

Einige leben in ihren Häusern und Wohnungen und du siehst sie manches mal – ganz selten – aus der Wohnung schleichen, von der Wohnungstür in den Keller und wieder zurück, oder draußen beim Hecke schneiden, dann wieder neun Monate nicht.

Er starb in seiner Wohnung direkt nachdem seine Haushaltshilfe ihren wöchentlichen Job bei ihm gemacht hatte. Bis man im Mehrfamilienhaus im sommerlichen Flur den Geruch bemerkte und die Tür öffnete. Nachbarn sagten mir, sie hätten ihn faktisch nie gesehen, nur mal Schritte gehört. Der direkte Nachbar hatte ihn in den Keller gehen sehen.

Ich schreibe dieses nicht für die Umwelt der Ausgestoßenen, dass sie sich besser kümmern sollten, nicht für die Nachbarn oder Verwandten, sie sollten sich einen Ruck geben und die Leute herzlich aufnehmen oder annehmen. Tatsächlich werden viele gar nicht an sie rankommen. Sondern – so es denn möglich ist – schreibe ich für die Ausgestoßenen direkt.

Also nicht für den gemeinen Leser dieses Blogs, sondern an diejenigen, die keiner mehr auf dem Schirm hat, natürlich unausgesprochen.

An die Verwesten, die noch leben, die Ungeschätzten und sich ungeliebt Fühlenden. An diejenigen, die nicht erkennen, wozu sie gut sein könnten auf diesem Planeten, in dieser High-Tech-Gesellschaft, die so höflich fleißig daherkommt und alkoholisiert an Video-Spielen abhängt, das ist ihr zweites Leben, früher als Avatar in Second Live.

Die nach außen hin fröhlich sind aber innerlich – für diejenigen schreibe ich das nicht, sie können das Lesen hier abbrechen.


Meine Message ist für die Ungeliebten, Ausgestoßenen, Verhetzten, Verstoßenen, diejenigen, die Pech gehabt haben im Leben und nicht wissen, wozu sie da sind.

Fühle dich erstmal umarmt.

Fühle dich erstmal umarmt. Es ist Zeit zu weinen über das Unglück aber auch über die Freude, weil du hier umarmt und angenommen wirst, fühle dich geherzt, herzlich angenommen.

Ganz weit draußen ist einer aufs Eis gegangen als es dünn war, um einen rauszuziehen, der eingebrochen war und er ist selbst eingebrochen.

Es gibt einen, der vernarbt wurde, obwohl er lebenslang nur Gutes getan hat. Du weißt es, wir wissen es, sie haben seine Handflächen durchschlagen.

Manche sprechen und verstehen deine Sprache, auch wenn du mutterseelenallein bist und alle Brücken niedergerissen hast, beziehungsweise diese quasi von selbst zusammengefallen sind. Weil es sich so ergeben hat.

Sie nehmen Abstand von dir wie von einem Pestkranken, wie von einem Ausgestoßenen, weil du nicht reinpasst in das vorgegebene Puzzleteil.

Sie haben dich gedrückt und gebogen, jedoch wurdest du nicht passend.
Du selbst hast gedrückt und alles versucht und jetzt bist du in dieser Lage.

Ab und zu marschiere ich in die Kirche, die David mit rund 400 Leuten vor ca 3000 Jahren gegründet hat, sie heißt “bitter church”. David gilt als symbolischer Vorläufer des Messias Jesus Christus, ein Mann “nach dem Herzen Gottes” der sich mit 400 verschuldeten und verbitterten Menschen in der Wüste En Gedi vor dem ihn verfolgenden König des Landes versteckte. Dort machten sie ihre ersten Kampfübungen, stärkten sich gegenseitig, trainierten, ermutigten sich, wurden gebraucht als Kampfeinheit zusammen mit und unter einem verfolgten Verachteten, den eine ganze Armee verfolgte.

Wem jagst du nach? Einem toten Hund, einem einzelnen Floh! 1.Samuel 24,15 ELB

…der König von Israel ist ausgezogen, einen einzelnen Floh zu suchen, wie man einem Rebhuhn nachjagt auf den Bergen.

1.Samuel 26,20b ELB

In seiner Verzweiflung stellte sich David gar einmal wahnsinnig, ließ Speichel aus dem Mund auslaufen, damit er als Wahnsinniger nicht verhaftet würde.

Jesus Christus findet dich brauchbar, alle anderen – alle – sehen deine Defizite. Du selbst auch.

Sie alle sehen deine Defizite.

Selbst die Kirche, die dich einlädt, “Wer mag mich, so wie ich bin” könnte dich hochgradig täuschen.

Manche Menschen haben nicht weniger Gaben als die anderen mit gutem Ansehen und Beruf ausgestatteten Menschen, sondern solche Attribute, die ihnen in der Werteskala ein regelrechtes Minus mitgeben.

Wie eingebrannt auf der Stirn.

Sollte ich irgendetwas von den Worten Jesu und von den Aussagen des Evangeliums richtig verstehen, dazu noch die Wehe- und Segensaussagen Jesu Christi bei seiner Feld- und Bergpredigt, dann liebt er dich.

Dann liebt Jesus Christus tatsächlich dich.

“Nicht die Starken brauchen einen Arzt, sondern die Kranken. Ich bin nicht gekommen, Gerechte zu rufen, sondern Sünder.” 

Markus 2,17 ELB

Idealerweise legt er natürlich seine Hand auf deinen Kopf, der Segen strömt in dich hinein und du bist von der Plage für immer befreit. Das kann auch irgendein Bevollmächtigter Jesu Christi sein.

Jedoch hast du bereits reichlich unter den Fehlversuchen seiner Jünger gelitten, die selbst bei Jesus vorstellig wurden mit dem Satz “wir konnten ihn nicht heilen!”

Und Jesu seufzte über sie.
Jesus seufzt nicht über dich, sondern über seine eigenen Leute.

Jesus liebt dich, verlässt seine Heimat Nazareth, faktisch den Himmel, von wo er kommt, um diese eine Botschaft zu bringen.

“Ich bin das Leben, wer an mich glaubt, hat das Leben“. Das ist unsere, zuallererst unsere Message.

Lass uns glauben trotz aller Verletzungen, trotz der Ablehnung, des Wahns, der Schmerzen, der Krankheit, der Unmöglichkeiten, nehmen wir die Hand!

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