Die stockkonservative Gemeinde – heute?


Sie trafen sich, wo es ihnen passend erschien. Im sehr vornehmen historischen Gebäude und in Grüppchen privat zu Hause. Beim Essen bildete sich so eine zunehmend herzliche Gemeinschaft, bei der finanziell Stärkere sogar den Schwächeren aushalfen. Damit in der nun auf über 10.000-Seelen angewachsenen Gemeinde keine Notleidenden unbemerkt hinten runter fielen, ließ der Pastor sieben Männer als Diakone erwählen – Qualifikation (!): voll Weisheit und heiligen Geistes – die den armen verwitweten Frauen systematisch halfen.

Die Leiter wollten die Kirche nicht als Soloveranstaltung, jeder sollte nach seiner Begabung mitteilen, was er als wichtig empfand – ohne vorherige Prüfung, die Zuhörer konnten das Gesagte einschätzen.
Einer sprach brennend (wie sonst?) über das Reich Gottes (wen sonst?), gab ein Gleichnis oder eine Lehre — auch aus den Propheten oder der Thora – auf Jesus bezogen oder die Lebensumstände, ein anderer gab eine Weissagung weiter.

Mal ehrlich – was gibt es Schlimmeres als diese immer gleichen, langweiligen Predigten, die nichts und niemanden herausfordern, niemandem nahegehen, unemotional, fern der Lebenswirklichkeit, tot geboren am Laptop des theologischen Absolventen, der – egal ob jung oder in die Jahre gekommen – die Gemeinde quält mit seiner abgehobenen, lebensfremden Art, Menschen, die eine Form der Gottseligkeit haben, aber Gottes Kraft verleugnen. Prediger, die selbstverständlich kein Beispiel einbauen können aus ihrem Leben, das ihre Weisheitslehren unterstützt, die von etwas Artfremdem sprechen, das ihr Leben am äußersten Rand tangiert, sehen staunend wie dem niedergeschlagenen Menschen vom ihnen fremden – wie auch damals den Pharisäern fremden – Samariter geholfen wird. Sie reden nur und sie reden viel.

Musikalisch und gesanglich Begabte stimmten ihre Lieder an zur Anbetung Gottes (wen sonst?), alle anderen stimmten ein. Sprachen sie in ihnen selbst unbekannten Sprachen, übersetzte oder erklärte einer. Gott wurde gelobt, so ging das weiter…..

Hier müssen wir reden: Das Thema ist überfällig geworden, es hat höchste Priorität angenommen, doch ihr erachtet es als unwichtig. Euch ist es egal, wer eure Lieder anstimmt, was er singt, Hauptsache er singt irgendwas, wird schon was christliches sein, die Texte naja, dass keiner mitsingt – egal – Freunde merkt ihr was???
Ist deine Liedersinggruppe so laut, dass du schon gar keine Teilnehmenden brauchst, du würdest es gar nicht merken, wenn keiner mitsingt. Wechseln die Texte dermaßen häufig wie auch die Besetzung der Band, dass kein Mitmachen, keine Gemeinsamkeit – geschweige denn eine Anbetung Gottes stattfinden kann!
Wir müssen hier reden – es ist nicht egal, wer den Lobpreis anleitet, irgendwer, der die Gitarre rupft oder das Keyboard behämmert und ansonsten kein Herz dafür hat, dass die Gemeinde – also alle zusammen – Gott anbeten!!!

Hier ist Stille, Schweigen, Andacht, Demut, Hingabe im Raum, dann Anbetung, Lobpreis leise oder laut – es ist nicht egal und es darf nicht weiter dem Zufall überlassen werden, so wie es allüberall läuft! Freunde, es ist Sache des Chefs! — also die Sache Gottes.
Und dann ist es auch Sache der Gemeindeleitung, die immer dann eiligst zusammenkommt, wenn die Geldeingänge rückläufig sind – aber nie, weil sie ein Gespür dafür hat, dass Gott in dieser Gemeinde nicht mehr angebetet wird, sondern “wir singen Lieder”

Die stockkonservative Gemeinde - heute

Ach – ihr singt Lieder??
Denkst du, Gott interessiert sich für deine Lieder?
Oder deine Stimme, bietest du uns jetzt ein Konzert an, weil du so begabt bist, dass wir deine schöne Stimme genießen sollen und deine raffinierte Musikalität oder ist es dein Opfer, dein Einsatz dein Lied FÜR GOTT und für sonst gar niemanden??

Bitte – wir müssen darüber reden – es ist nicht egal und es ist nicht die Sache des Lobpreisteams noch die Sache von irgendjemand anderem, dass die Seele kalt und unberührt bleibt, geplagt vom Anachronismus – in der christlichen Gemeinde wird noch nicht einmal mehr GOTT ANGEBETET.
Hier kann ich nicht anders, hier werde ich im allerhöchsten Maße emotional – die Steine werden hörbar werden auch ohne euch!

Macht weiter mit euren uninteressanten Liedern, deren Texte euch egal sind, die ihr nicht überprüft, deren Melodie euch nicht mitnimmt, die nicht von Herzen gesungen und nicht mitgesungen werden, tut weiter so, als würdet ihr Gott eine Ehre bereiten mit Liedern, die niemandem nahe und zu Herzen gehen, nicht auf Gott gerichtet sind, sondern nur den Anschein eines Lobpreises oder einer Anbetung abgeben. Ihr habt euch Lieder stehlen lassen, indem ihr sagt, — das ist nicht wichtig– doch “singt und spielt Gott in euren Herzen” wusste bereits vor 3000 Jahren der Prophet David.

David, der Bruder des Eliab und Abinadab sang Lieder zum Lob Gottes, vom Leid Gottes, vom eigenen Leid – aber keinesfalls teilnahmsloses Absingen mit Anleitung von teilnahmslos Absingenden mit teilnahmslos abzusingenden Texten. Danke.

Heute - die stockkonservative Gemeinde

Dann wäre noch zu reden von den “Über-Liedern”– Texte die du niemals in einer Predigt wagen würdest zu sagen, — weil sie entweder nicht wahrhaftig sind oder weil du mutlos bist — die du aber singst und wieder und wieder singst und die doch keine Grundlage – weder gemäß deines Glaubens noch der Bibel haben, doch du singst diese Texte und lässt sie singen und willst nicht darüber diskutieren, tust stattdessen so, als würdest du glauben, was du singst, dabei glaubst du es nicht und könntest natürlich nicht einmal die Hände heben, wenn du vom Händeheben singst, Oh Tannenbaum, wie grün sind deine Blätter.

Es kamen stets neue Gläubige zur christlichen Gemeinde hinzu, dennoch hielt das Volk einen gewissen Abstand ein, denn man konnte hier von schwerer Krankheit geheilt werden oder auch ganz plötzlich sterben. Ein Ehepaar spendete öffentlichkeitswirksam sehr viel Geld, auf Nachfrage wahrheitswidrig behauptend, dieser Betrag sei genau der Verkaufserlös des veräußerten Grundstücks – woraufhin der Pastor deren beider Tod ankündigte und die in sich zusammensackenden Leichen vor versammelter Gemeinde hinaustragen und beerdigen ließ. Das machte schon Eindruck.


2 Antworten zu “Die stockkonservative Gemeinde – heute?”

  1. Lieber Stefan,
    ich freue mich ganz sicher über aufrichtigen Lobpreis, auch im Park. Generell meine ich: singt, was Ihr meint, und meint, was Ihr singt. Wenn es dann noch mit der Bibel übereinstimmt, seid Ihr ein Wohlgeruch, eine Power für Gott. Jeder merkt den Unterschied zwischen einer Darbietung, wo das Herz weit entfernt davon ist, und authentischer Anbetung. Ich freue mich, wenn Ihr Dinge von ganzem Herzen tut.
    LG Rolf

  2. Hallo Rolf,

    puh, das klingt ja ganz schön resigniert… erlebst Du das wirklich so, dass die Lobpreisteams teilnahmslos einfach ihr “Programm abspulen” und die Gemeindeleitung sich nicht dafür interessiert? Ich war mal in einer Brüdergemeinde und in einer FEG – da blieben alle “brav” sitzen und sangen “vom Blatt” (Liederbuch). In unserer Gemeinde ist der Lobpreis eher “charismatisch” geprägt, also recht lebendig mit Klatschen und Händeheben und so, wobei mir das ehrlich gesagt nicht so liegt, aber da ist halt jeder anders, und es muss ja auch niemand. Ich denke, es gibt viel Arten und “Stile” von Lobpreis und Anbetung. Seit letztem Jahr machen wir sonntags nachmittags auch “Worship im Park” (https://gottsucher.de/park), um als Christen in der Öffentlichkeit “sichtbarer” zu sein (die “Hare-Krishnas”, die dort schon länger sind, machen es vor!).

    LG
    Stefan

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert