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2021

Ein kratertiefes Loch

Er war die Straße entlanggelaufen auf dem Weg zwischen zwei belanglosen Tätigkeiten, die er zu erledigen hatte, als sich plötzlich in ihm ein Loch auftat, es kam mit einem Schlag – er war dem Weinen nah. Irgendwas schluchzte in ihm drin. Betroffen über sein eigenes Befinden, ob das jetzt die Vorstufen der Überlastung, des BurnOuts sind oder stimmt etwas nicht?
Ein kratertiefes Loch und ein tiefer Schmerz.

Trauer, Mitleid, grundlose Traurigkeit aus dem Nichts, einfach so ein Geschehen, plötzlich ist es da.

Er forschte in sich hinein, überlegte, was es sein könnte, worum geht es? Man kann solche Dinge auch einfach übergehen und zum Alltag oder zur Flasche Bier greifen, zur Unterhaltung mit Ernst Mosch übergehen – oder zu einem schnellen fitten Redner, der so schön herrlich hipp motiviert rüberkommt, der alle Welt zu seinem Charisma bekehren will.

Woher kommt das Loch?

Er bekam dann sehr schnell eine Idee davon: das Loch tritt ein, wenn absolut Banales mit dem Heiligsten, mit dem Höchsten, mit Gott selbst gleichgestellt wird. Oder anders ausgedrückt: wenn Gott, der Heilige mit irgendeinem Waschmittel, einer Versicherung oder sonst irgendeinem idiotischen Müll unserer kurzlebigen Gesellschaft gleichgestellt wird, wenn irgendeiner auf die Idee kommt, er könnte Gott gendern oder er könnte Gott auf seine flachen Witze herabziehen – es ist nicht so, dass Gott es nicht aushält – aber diese Gleichsetzung Gottes mit Banalem verursachte bei ihm diesen Schmerz.