Sind sie krank?

Haben Sie schon einmal zur Kaste der Kranken gehört?

Ich meine nicht, dass Sie mal ein paar Tage mit Fieber rumkämpfen oder einer Grippe, die dann auch schon Vergangenheit ist, sondern dass Sie regelrecht einsortiert werden als Kranker, behandlungsbedürftiger Schwererkrankter, jemand, mit dem die anderen Leute Mitleid haben.

„Haben Sie schon gehört, der hat jetzt dieses Problemleiden“, Krebs, Geschwüre im unteren Darm, irgendeine unheilbare Krankheit des Gehirns oder der Nerven, etwas, das Sie schon bei der Namensnennung schüttelt, ein Hirntumor, Weichteilrheuma, irgend so ein Horror.

Gehörten Sie schon mal zur Gruppe der Leidenden, die sich wie eine lange Reihe aufreihen. Die gesamte medizinische Kunst hat sich bereits über sie ergossen, es wurde alles ausprobiert, kurz vor dem Schulterzucken wurde noch Hoffnung gemacht auf irgendwelche neuartigen „aus Amerika gekommenen Therapien“, die hoffnungsvoll sind!

Und jeder Beteiligte hatte den Satz nachgesprochen: „Hoffnungsvolle Therapieansätze mit einigermaßen guten Aussichten.“ Gewisse Nebenwirkungen zwar, aber ein guter therapeutischer Ansatz, mit dem man die Krankheit einigermaßen in Schach halten kann.

Hier zuckten Sie dann doch zusammen, weil der Schwerpunkt nicht die Heilung, sondern die nicht weiter fortschreitende Verschlechterung war. Im besten idealen Fall.

Dann sind Sie hier in einer Reihe mit den anderen – derjenigen, die außerhalb der medizinisch Heilbaren, Behandelbaren sind. Man kann Sie vielleicht auf dem gleichen Niveau halten, die Schmerzen eindämmen, mit gewissen Nebenwirkungen eine gewissen Lebbarkeit herstellen, aber Sie werden natürlich nie wieder der Alte sein oder die Alte.

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Krank im Rollstuhl

Sie sind jetzt eben “alt”, egal wie viele Jahre Ihre Geburtsurkunde ausweist, Sie sind “in die Jahre gekommen”, schulterzuckend, es nennt sich Verschleiß, Schicksal, „passiert halt“, „eventuell Ihrem stressigen Leben geschuldet“, und wieder zuckt jemand die Schulter, die vor Kurzem noch die Behandelbarkeit nahezu aller Krankheiten dank des schnellen Fortschritts der weisen Medizin mit all Ihren Tricks und Errungenschaften behauptet hat.

Im Krankenhaus gibt es die, die operiert und geheilt den Saal verlassen werden und mit anschließender Physiotherapie und bisserl Bewegung wieder in die Gänge kommen. Und es gibt die Wiederholungstäter, die Rückfälligen, die Rezidive bilden, den Ärzten ein Stirnrunzeln beim Betrachten der CTs abverlangen, wo es eigentlich nur noch darum geht, was macht man, ohne allzu viel gleichzeitig mit dem Heilversuch zu zerstören.

Etliche gehen wieder raus mit Ihren Angehörigen, die sie auch immer fröhlich besuchten und bei etlichen ist es egal, ob sie drinnen oder draußen sind, sie sind faktisch nicht mehr therapierbar. Nachdem alles durch ist und Sie immer noch leben, sind Sie eben austherapiert.

Mit freundlichem Gruß

Ihr Entlassungsbrief. Arztbrief.

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Sie sitzen also in einer Halle mit lauter Gleichgesinnten, heisst: Gleich-Kranken, Schwererkrankten, die Leute, denen nicht mehr geholfen werden kann, es sei denn, Gott tut ein Wunder, irgendetwas Großes passiert, ein wundersamer Traum und nachfolgend ein Engelwesen, das Sie berührt und wie durch ein Wunder – Sie heilt!

Hier bewegt sich manchmal – so alle paar Wochen – das Beckenwasser — in der Mitte ist ein mittelgroßes Wasserbecken mit gewöhnlichem Wasser – aber, wenn sich das Wasser bewegt und jemand springt als Erster rein, dann ist er geheilt!

Sie sehen: Schnelligkeit zählt und zahlt sich praktisch aus: Wer als Erster im Wasser ist, wenn sich das Wasser aus unbekannten Grünen bewegt, kommt vollkommen gesund aus dem Wasser wieder raus. Er ist raus aus der Autobahn des Elends, aus der Halle des Elends und dem Märtyrium der Erkrankten, er ist ein anderer Mensch, wenn er rauskommt. Wenn er der Schnellste ist, und nur dann.

Ein Engel steigt dort hinein.

Gott hatte Mitleid mit den Superschwerkranken, denen niemand mehr helfen konnte, die außerhalb der sozialen Ordnung der Unterschicht, Mittelschicht, Oberschicht waren. Sie waren zu Parias geworden, diejenigen, deren Schicksal man kopfschüttelnd zur Kenntnis nimmt, man kann hier – auch wenn man guten Willens ist – leider nicht helfen. „Ich bin auch nur ein Mensch“.
Dahin schickte Gott in gewisser Regelmäßigkeit einen Engel der Heilung, Heilungsengel genannt, den man nur daran erkannte, dass sich das Wasser bewegte, wenn er reinstieg. Sie können sich das Chaos vorstellen, das dann entstand. Offensichtlich war der Engel unsichtbar ins Wasser geflogen? getreten? – das Wasser bewegte sich und zehn, zwanzig Leute stürzten kopfüber, seitlich rückwärts – egal wie !- nur ins Wasser, damit jeder der Erste ist, der hier gesund wieder rauskommt.

Sie haben sich schon oft gefragt, ob Sie jemals gesund da wieder rauskommen können, aus der Situation, in der Sie gerade stecken.

Es geht um Sekundenbruchteile, wer zuerst im Wasser aufschlägt, ist gesund. Egal wie krank Sie sind, dafür sollte Ihre Energie ausreichen, Wasserbewegung heisst — rein ins Wasser!

Sie haben Menschen mit Tränen in den Augen vor Glück die Halle rausgehen sehen, mit der Liege unterm Arm oder gleich ohne alles, Hauptsache nur raus!

Jedenfalls sind Sie hier in dieser doch etwas bitteren Situation, faktisch auf dem nicht selbst erwählten Abstellgleis. All der Ruhm der alten Tage ist vorbei, es kümmert auch keinen…

Sie lebten in der Zeit Jesu – als er hier auf der Erde war mit seinen zwölf Jüngern, ein Verräter und elf echte gute Jünger, die alle hinter ihm herlaufen. Rein in die Säulenhalle, da wo auch Sie liegen, Sie sehen, wie er ganz bestimmte Schritte unweit in Ihre Richtung macht, dann biegt er aber ab und geht zu einem ganz Alten.

Der Alte ist zu alt, um ins Wasser zu kommen. Er hat es bereits Jahrzehnte lang probiert und natürlich ist ein anderer, sind viele andere – schneller als er! Er sitzt hier seit 38 Jahren und die Schritte Jesu enden direkt bei ihm “willst du gesund werden?“

Diese Frage – und die Antwort war natürlich klar, jedoch: „Ich habe niemanden, der mich ins Wasser wirft und dann ist ein anderer schneller als ich“ – wenn Gott seinen Heilungsengel schickt, „war ich – obwohl ich wie die anderen ins Wasser wollte, eben zu langsam.“

So isses, Sie schlucken schwer, weil Sie ahnen, dass Sie eines Tages in genau derselben Situation sein könnten, dass Sie hier Jahrzehnte verbringen werden.
Wartend auf den einen Moment, wartend auf Besserung.

Nennen wir es Heilung. Was ja kaum einer noch zu sprechen wagt, wer wäre nicht zufrieden mit geringer Verringerung des Leids.

Allein die Tatsache, dass Jesus mit seiner Mannschaft hier ins Todkrankenlager läuft vorbei an allen anderen Erkrankten und bei dem Alten landet.
“Steh auf, nimm dein Bett und geh!
Stehe auf und geh!”

Das Wunder passiert jetzt ohne Engel im Wasser. Jesus Christus fordert ihn auf, seine Sachen zusammenzupacken und rauszugehen und der Alte wird geheilt!

Manche gehen eben geheilt raus aus der Säulenhalle, aus dem Krankenhaus – sie werden gestrichen von der Warteliste der Todkranken, der bösartigen Tumore: Sei geheilt!!!


—Ende—-

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Manche erwarten, dass entweder alle oder keiner geheilt werden. Das sei fair und gerecht. Aber wir kennen die Geschichte, dass nur einer in unserem Bekanntenkreis, nur einer im Krankenhaus aus der Krebsstation gut erholt rauskommt und die meisten anderen nicht. Deswegen ist es ja solch eine besondere Geschichte, wenn man einmal hört, dass jemand aus seinem Dauerleiden — nicht erlöst wird im Sinne von Sterben, sondern — geheilt wird!
Sofort fragen manche, warum wird nur immer der Erste im Wasser geheilt, und hätte Gott nicht alle Säulenhallenbewohner heilen können? Warum läuft Jesus nur zu dem Einen und spricht ihn an und heilt ihn?

Warum erzählt Jesus in Nazareth die Geschichte von Elia, der während einer dreieinhalbjährigen Dürre mit Hungersnot nur eine Witwe “ganz weit draußen” in Sarepta mit einem Mehl-, Ölwunder heimsuchte und warum erzählte er vom Propheten Elisa, der unter sehr vielen Aussätzigen einen einzigen Syrer- heilt?

Dann noch: Wie oft waren Sie bereits in Ihrem Leben derjenige, der nicht erwischt wurde, der gut aus dem Krankenhaus rauskam, obwohl andere auf Intensiv verlegt wurden und Schlimmeres. Wie oft haben Sie unbeschadet überlebt und sagten vielleicht leise „danke“ oder „Schwein gehabt“ aber andere haben diese Situation nicht überlebt?
Wie oft waren Sie derjenige, der – zwischen den Säulenhallenkranken – gesundet aufgesprungen ist und lächelnd, sich freuend rausging? Ich meine: Wenn Sie ein Überlebender sind, sind Sie einfach nur froh, dass Sie davon-gekommen sind, dass Gott Ihre Gebete erhört hat.


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Kommentare

2 Antworten zu „Sind sie krank?“

  1. Rolf

    Hi Stephan,
    den Artikel hab ich selber gelöscht, weil ich biblipedia nicht zuspammen will mit Beiträgen und die software die Beiträge auch dann übernimmt, wenn ich nonbiblipedia in die Tags reinschreibe.
    Ich war ja vor einem Jahr 5 Wochen lang im Krankenhaus mit schnell wechselnden Bettnachbarn ca alle 3 Tage, also 11 Bettnachbarn. So gesehen war ich der “Sepp”, der drinnenbleibt.
    Aber ich erinnere mich gut, wie ich nachts am Nachthimmelfenster von meinem Bett aus zu Gott innerlich gerufen habe und heute bin ich draußen, zwar nicht genau gleich wie vorher aber gut.
    Wenn man dort aber Jungs kennenlernt, ca 30Jahre und Leber kaputt, die rein und raus und wieder rein gehen
    und dergleichen mehr, wie du beschreibst, dann sieht man eine Kaste von Menschen, die es in Deutschland auch gibt: Die letztlich – menschlich – unheilbar Kranken.
    Und das in einem System, das mit Genmedikamenten den Krebs wegimpfen will und den Tod wegklonen will.
    LG
    Rolf

  2. Stephan

    Biblipedia hat wieder aussortiert …

    Ich denke, der letzte Absatz ist wichtig – wie oft hat es mich nicht erwischt? Bei meinem ersten Krankenhausaufenthalt, ca. 30 Jahre ist es her, lag ich auf der “Inneren”, der in den Dreißigern befindliche Mitbewohner im Zimmer seit vielen Monaten verkrebst, aber ich konnte nach wenigen Tagen wieder heraus. Ähnlich war es, als die gleiche Sache ein paar Jahre später wieder auftauchte.
    Mein Moped-Unfall letztes Jahr führte zu Titanplatten im Arm, aber im Gegensatz zu meinem Zimmernachbarn konnte ich rasch wieder nach Hause. Der Unfall hätte auch schlimmer ausgehen können, die Augenzeugen dachten, der steht nicht wieder auf. Auf den Rettungswagen wartete ich dennoch stehend, und innerlich Gott für die Bewahrung dankend. Ich wußte zwar, dass der Arm gebrochen ist, aber gleichzeitig hatte ich ein Gefühl der Gewissheit, dass Gott mich da durchträgt, dass da nicht mehr kaputt ist.
    Es gibt lediglich leichte körperliche Einschänkungen, es gibt noch mindestens eine Op, aber niemand (ich am wenigsten) hat damit gerechnet, dass ich 38 Tage nach dem Unfall wieder im Gottesdienst die Orgel spielen konnte. Gott zur Ehre. Wenn auch nicht so flink wie sonst.

    Irgendwann wird es aber soweit sein, dass ich nicht mit dem Status “geheilt” vom Arzt verabschiedet werden. Das wird kommen, so wie die Haare lichter und grauer werden, und die Altersweitsichtigkeit nicht zu ignorieren ist, sind die Hinweise vorhanden, dass dieser Körper nicht für Jahrhunderte funktionieren wird.

    Aber wirklich geheilt bin ich in anderer Weise, durch Jesus, der mich errettet hat. Da war ich sicherlich nicht der Erste am Teich, eher einer von vielen, aber auch mich hat er angesprochen.

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