Eingeschüchtert

Du hättest dich lieber nicht so deutlich äußern sollen, das kam bei einigen nicht so gut an. Hast du gemerkt, wie sie nach unten geblickt haben?
Eigentlich hatte man sich auf einen Sprachmodus geeinigt. Über gewisse Dinge reden wir nicht, somit ist allen gedient, der Familienfrieden bleibt erhalten, das Firmenklima bleibt gelassen, die Bilanzen sind gut, darauf ein hoch!

Gemeinsam sind wir stark und wir alle zusammen geben die Richtung an, in die der Abgrund gehen soll. „Entschuldigung, Sie stehen im Weg. Könnten Sie bitte etwas zur Seite treten, ich habe es eilig. Hinter mir sind noch viele Leute, die hier durch wollen, bitte stehen sie ab mit ihrer Einzelmeinung, lassen Sie uns durch, wir haben es eilig.“

Bilanzen unter den Arm geklemmt. Der Blick des Erfolgreichen. Entschlossenheit im Gesicht, die Lippen zusammengeklemmt, die Hutkrempe tropft – der Mantelkragen ist hochgeschlagen, die Zähne blitzen vor Zahngold. Die Uhr tickt.

Wir haben uns darauf geeinigt, dass wir eine ehrenwerte Gesellschaft sind, die eigentlich das Gute will, die Rettung des Planeten –kleiner geht’s nicht – die Ausrottung der Unarten unserer unerwünschten Nebenwirkungen. Der gesellschaftliche Konsens ist: Wenn wir uns gemeinsam anstrengen, können und werden wir es schaffen! Die Ziele sind streng und vorgegeben aber unbedingt und um absolut jeden Preis einzuhalten – sonst bist du ein widerlicher Pessimist, ein Sünder, ein Alchemist, ein Widerling, ein Affront, ein Einzelkämpfer.

Auszumerzen von der feinen Gesellschaft, die die Zähne zusammenbeißt. „Eingeschüchtert“ weiterlesen