Zeichen und Wunder


Kaum waren sie der Ziegelbrennerei in Ägypten entronnen – Mose führte Israel im Namen Gottes gegen den schlechtlaunigen Pharao durch das sich aufstauende Schilfmeer – fanden sie sich in der sengend heißen Wüste wieder. Nach der Befreiung aus dem Frondienst sind Wellness-Oasen dran, war ihre verständliche Vorstellung, jedoch landeten sie in einer von Sandstürmen heimgesuchten wasserlosen Wüstengegend. Die auch nur sehr mäßigen Fleischeintöpfe Ägyptens schienen ihnen im Nachhinein vergoldete Kalbschnitzel gewesen zu sein – sie wollten lieber zurück in die Sklaverei mit ihren – Sicherheiten – als hier alleine mit Gott und dem Propheten Mose in einer aussichtslosen Situation zu vegetieren.

Kein Wasser, nichts zu essen – das zusammenschlagende Wasser hatte das ägyptische Militär ertränkt, nun waren sie auf der sicheren Seite, aber mit diesen Aussichten:
Zwar hatte Gott Zeichen und Wunder getan bis die Ägypter den Israelis sogar ihr Gold mitgaben – überwältigt von zehn sich immer noch verschlimmernden Plagen – und sie endlich ziehen ließen. „Geht, geht!!“
Aber bitte – was sollen wir denn hier essen? Und trinken? Hier gibt es ja nichts!!!!

Lebendig tot. Ein sich wundersam öffnendes und rechtzeitig wieder zuschnappendes Meer war eine Sache aber gesichertes Essen und Trinken eine ganz andere Sache. Tränen standen ihnen in den Augen. „Hier in der Wüste werden wir zusammen sterben“ hieß das aktuelle Lied.

Bis zum Fallout des morgendlichen Mannabrots, das außerhalb des Lagers abregnete, man musste nur einsammeln und konnte sich satt essen. Am Tag zwei war es in der Regel verdorben, doch am nächsten Tag regnete wieder neues Manna!
Gott instruierte Mose, auf den Wüstenfelsen einzuschlagen und herrlichstes Quellwasser sprudelte!

In der Wüste servierte Gott dem Volk Israel 40 Jahre lang Wasser und Manna Brot. Der Gott, der sagte, dass der Mensch nicht von Brot alleine lebt, sondern von jedem Wort aus seinem Mund.

Kann ein Volk 40 lange Jahre durch die Wüste ziehen ohne Nahrungsvorräte, Medikamente, Ärzte, Oasen am Weg, stattdessen mit himmlischer Navigation im Nachtmodus als Feuersäule, tagsüber mit einer Wolkensäule, mit der Herrlichkeit des Herrn, Essen und Trinken nur durch fortlaufende Zeichen und Wunder, vom Himmel regnende Wachteln, die Schuhsohlen nicht durchgelaufen, Kleidung nicht verschlissen – und dennoch starb die komplette Auswanderergeneration in der Wüste.

Gott tat in der Wüste Zeichen und Wunder, indem er die Israelis versorgte mit Wasser und Mannahbrot, ihre Kleidung sind nciht zerrissen, die Schuhe nicht verschlissen.
Der Mensch lebt nicht nur vom Brot, sondern von jedem Wort Gottes. Später gabs für die rebellierenden Mägen noch Wachteln als Zugabe.

Nicht, dass sie nicht genug Nahrung gehabt hätten, sie verdursteten nicht, stattdessen tötete sie ihr Unglaube, da sie es für unmöglich hielten, dass der Sklavenbefreier, der Demütiger des ägyptischen Militärs, der wunderbare Versorger in der Wüste ihnen ein von riesenhaften Menschen besetztes, sehr fruchtbares Land zum Eigentum geben sollte.
Diese Generation verendete in der Wüste mit der Diagnose – ausgewachsener Unglauben, das bedeutet bis heute sicheren Tod.

Gottes Zeichen und Wunder setzten sich fort in Jericho, jedoch anders als vorher. Gott gibt seine Unterstützung, seine Zeichen und Wunder immer nur für Aktionen, die er selbst beauftragt hat.
Tagsüber hatte Gott Israel mit einer Wolkensäule durch die Wüste navigiert, nachts mit einer Feuersäule.

Deren Kinder zogen viele Jahre später ins ausgekundschaftete Land, dessen eingeschüchterte Bewohner von den Zeichen Gottes gehört hatten. Jedoch sahen die Israelis keine Feuersäule Gottes vor sich hergehen, es regnete kein Wachtelbuffet und kein Mannahbrot, sondern Wasser. Sie aßen, was sie vorfanden. Vor ihnen lag Jericho, deren Stadtmauer sie sechs Tage umrunden sollten – der seltsam anmutende Auftrag Gottes – am siebten Tag dann sieben Mal Posaunen blasend.

Aktuell keine Wachteln, kein gewohntes Mannah, kein Fels mit Wasser weit und breit – hatte Gott sich so geändert?

Hat Gott sich geändert?

So beschlossen sie, dass die Zeit der Wunder vorbei sei. Denn tatsächlich, sie brauchten keine Wolkensäule, die ihnen den Weg durch die Wüste zeigte, sie konnten sich jetzt orientieren. Sie fanden Weintrauben und Früchte im Überfluss. Die Wunder, sagten sie….

….Sie sehen, ich mache hier einen Zeitsprung und begebe mich in einen Kirchentag des 21. Jahrhunderts, wo die Theologen den Wissensbegehrenden mitteilen, dass die Gläubigen die heiligen Schriften haben und somit keine Wunder mehr brauchen, dass es keine Wunder mehr gibt. Die Wunder geschahen zur Zeit des Mose und zur Zeit Jesu, zur Zeit der Apostel, der ersten Gemeinde und dann hörten sie notgedrungen auf, weil ja alles Notwendige gesagt war, das gesagt werden musste. Die Kapitel 12 und 14 des 1. Korintherbriefs sind durch das 13. Kapitel der Liebe zur Vollendung gebracht, verkündigten sie.

Denn aktuell brauchen wir kein Wasser aus dem Felsen, keine Wachteln, kein Mannahbrot, ja vielleicht noch nicht einmal ein Wort aus dem Mund Gottes?

…Dann wieder zurück nach Jericho, die uneinnehmbare Stadt, deren Mauer in sich zusammenfällt ohne menschliches Zutun, ausgenommen des sonderbaren Marsches rund um die Mauer bis zum ominösen siebten Tag, dann siebenmal um die Stadt, Posaunen blasend, eben so wie Gott es dir gesagt hatte.


2 Antworten zu “Zeichen und Wunder”

  1. “Sie sehen, ich mache hier einen Zeitsprung und begebe mich in einen Kirchentag des 21. Jahrhunderts, wo die Theologen den Wissensbegehrenden mitteilen, dass die Gläubigen die heiligen Schriften haben und somit keine Wunder mehr brauchen, dass es keine Wunder mehr gibt.”

    Und, ist das auch Deine Meinung? Das geht aus Deinem Artikel nicht direkt hervor. “Zwischen den Zeilen” meine ich herauszulesen, dass Du nicht dieser Meinung bist, und Fakt ist ja nun mal, dass auch heute noch Wunder geschehen, abgefangen von den vielen kleinen “Alltagswundern” bis hin zu Heilungen. Fakt scheint aber auch zu sein, dass Wunder vornehmlich da geschehen, wo den Menschen mangels anderer Alternativen nichts anderes mehr übrig bleibt als ganz auf die Hilfe Gottes zu vertrauen.

    LG
    Stefan

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